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Oliver Bierhoff
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Oliver Bierhoff (* 1. Mai 1968 in Karlsruhe) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler und heutiger FunktionĂ€r. Der kopfballstarke StĂŒrmer gewann mit der deutschen Nationalmannschaft die Europameisterschaft 1996 und wurde im Jahr 1998 TorschĂŒtzenkönig der italienischen Serie A sowie 1999 mit der AC Mailand italienischer Meister. Er war von 2004 bis 2022 FunktionĂ€r beim Deutschen Fußball-Bund, zunĂ€chst als Manager der deutschen Nationalmannschaft der MĂ€nner. Im Zuge von Strukturreformen wurde er 2018 einer von vier DFB-Direktoren (Direktor Nationalmannschaften und Akademie) und 2022 GeschĂ€ftsfĂŒhrer der deutschen Nationalmannschaft (GeschĂ€ftsfĂŒhrer Nationalmannschaften und Akademie). Nach dem Ausscheiden der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2022 in der Vorrunde wurde sein Vertrag mit dem DFB im Dezember 2022 vorzeitig aufgelöst. Seit Oktober 2023 arbeitet er als Berater des US-amerikanischen Football-Teams New England Patriots.

Contents

‱ Verein
‱ Kritik
‱ Privates
‱ Weblinks

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Spielerkarriere

Verein

Bierhoffs erster Jugendverein war die Essener SG 99/06. SpĂ€ter spielte er unter anderem zusammen mit Jens Lehmann, mit dem er weiterhin eine Freundschaft unterhĂ€lt, bei Schwarz-Weiß Essen in der Jugendabteilung. 1985 wechselte er in die erfolgreiche A-Jugend von Bayer Uerdingen (heute KFC Uerdingen 05), wo er ab 1986 als Profi in der Fußball-Bundesliga spielte. Nach einer sportlich durchwachsenen Zeit beim Hamburger SV wurde er im Dezember 1989 mittels Leihabkommen an Borussia Mönchengladbach abgegeben.cite-ref-1[1] Im Sommer 1990 verkaufte der HSV Bierhoff fĂŒr 275 000 D-Mark nach Österreich zum SV Austria Salzburg,cite-ref-2[2] wo er in der Saison 1990/91 23 Tore erzielte.

Nach einer Saison in Salzburg wurde Bierhoff von Inter Mailand gekauft und direkt in die italienische Serie B zu Ascoli Calcio weiterverliehen. Nach vier Jahren, er hatte bis dahin 48 Tore erzielt, wechselte er 1995 in die Serie A zu Udinese Calcio. Hier war er sehr erfolgreich, in 86 Pflichtspielen gelangen ihm 57 Treffer. In der Saison 1997/98 wurde er mit 27 Toren TorschĂŒtzenkönig der Serie A. 1998 wurde Bierhoff aufgrund dieser Erfolge zum Fußballer des Jahres in Deutschland gewĂ€hlt. Im selben Jahr wurde er von der AC Mailand verpflichtet, wo er 1999 italienischer Meister wurde. Bierhoff blieb drei Jahre bei Milan und erzielte insgesamt 37 Tore. 2001 wechselte er zur AS Monaco und beendete seine Laufbahn als aktiver Fußballer 2003 bei Chievo Verona. Insgesamt schoss er in der Serie A 104 Tore.

Nationalmannschaft

1987 nahm Bierhoff mit der Bundeswehr-Nationalmannschaft an der MilitĂ€r-Weltmeisterschaft in Italien teil und belegte mit dieser den zweiten Rang.cite-ref-3[3] Von 1988 bis 1990 bestritt er zehn Partien fĂŒr die U-21-Nationalmannschaft.

Bierhoff gab mit 27 Jahren sein DebĂŒt in der Nationalmannschaft, als er am 21. Februar 1996 im Spiel gegen Portugal eingewechselt wurde (2:1).cite-ref-4[4] Vier Monate nach seinem DebĂŒt schaffte er den Sprung in den Kader fĂŒr die Fußball-Europameisterschaft 1996 in England unter Bundestrainer Berti Vogts. Im Finale gegen Tschechien wurde er beim Stand von 0:1 in der 69. Minute eingewechselt. Knapp vier Minuten spĂ€ter gelang ihm der Ausgleichstreffer per Kopfballtor. In der anschließenden VerlĂ€ngerung schoss er mit dem ersten Golden Goal der Herren in der Turniergeschichte Deutschland zum Titel.

Bei der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1998 gelang Bierhoff beim Spiel gegen Nordirland der schnellste Hattrick in der Geschichte des DFB, als er beim Stand von 0:1 in der 69. Minute eingewechselt wurde und binnen sechs Minuten drei Tore zum 3:1-Endstand erzielte.cite-ref-5[5] Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich schoss er insgesamt drei Tore, schied aber mit der Mannschaft im Viertelfinale gegen Kroatien durch eine 0:3-Niederlage aus dem Turnier aus.

Bei der Europameisterschaft 2000 in den Niederlanden und Belgien fĂŒhrte er die Nationalmannschaft zunĂ€chst als KapitĂ€n an. Bei einem (auf Wunsch des damaligen DFB-PrĂ€sidenten Egidius Braun auf dem Platz von dessen Heimatverein SV Breinig ausgetragenen) öffentlichen Training nach dem ersten Gruppenspiel zog er sich jedoch beim AufwĂ€rmen einen Muskelfaserriss zu und fiel fĂŒr den Rest des Turniers aus.cite-ref-6[6]

2002 nahm er mit der Nationalmannschaft an der Weltmeisterschaft in Japan und SĂŒdkorea teil, wo die Mannschaft Vize-Weltmeister wurde. Das Finalspiel gegen Brasilien am 30. Juni 2002, das mit 0:2 verloren wurde, war zugleich sein letztes Spiel in der Nationalmannschaft.

Bierhoff trug in 70 A-LĂ€nderspielen das Trikot der deutschen Nationalmannschaft und erzielte dabei 37 Treffer.

FunktionÀr bei der deutschen Nationalmannschaft

Nachdem Bierhoff gemeinsam mit Oliver Welke einige Spiele der UEFA Champions League fĂŒr den TV-Sender Sat.1 kommentiert hatte, trat er zwei Jahre nach seinem letzten LĂ€nderspiel mit dem Dienstantritt von JĂŒrgen Klinsmann als Cheftrainer der deutschen Nationalmannschaft am 29. Juli 2004 die Stelle des Teammanagers der Nationalmannschaft an. Diese Stelle wurde eigens fĂŒr Bierhoff geschaffen und gab es in dieser Art und Weise zuvor nicht. Auch unter Trainer Joachim Löw behielt er den Posten des Managers. Von Oktober 2007 bis zu einer SatzungsĂ€nderung im MĂ€rz 2022 war Bierhoff damit gleichzeitig kooptiertes Mitglied im PrĂ€sidium des Deutschen Fußball-Bundes.cite-ref-7[7] Seither durfte er nur noch als Gast an Sitzungen des DFB-FĂŒhrungsgremiums teilnehmen.

Bierhoffs Auftreten als Teammanager der Nationalmannschaft war von Anfang an nicht unumstritten. Bis heute werden ihm von Fans und den Medien teilweise Arroganz und Besserwisserei zugeschrieben.cite-ref-8[8]cite-ref-9[9] Vorgeworfen wurde ihm auch, dass er parallel zu seinem Vertrag mit dem DFB einige private WerbevertrĂ€ge und damit auch NebentĂ€tigkeiten nicht sofort gekĂŒndigt habe.cite-ref-10[10] 2007 wurde ein Disput zwischen Bierhoff und Rudi Völler ĂŒber die Medien ausgetragen. Völler wehrte sich mit teils derben AusdrĂŒcken gegen Bierhoffs Aussagen, der die Arbeit der Bundesligavereine kritisierte und empfahl, diese sollten sich an der Trainingsphilosophie der Nationalelf orientieren.cite-ref-11[11]

Nach dem verlorenen EM-Finale gegen Spanien 2008 (0:1) ging Michael Ballack noch auf dem Spielfeld auf Bierhoff zu und beschimpfte ihn mit offenbar obszönen Worten, weil Bierhoff ihn aufgefordert hatte, mit einem Danke-Transparent zu den Fans in die Kurve zu gehen. Beobachter werteten dies als Ausdruck von Kritik an der Arbeit Bierhoffs, der unter den Spielern auch als effekthaschender Eventmanager betitelt wurde.cite-ref-12[12]

Als im Februar 2010 die VertrĂ€ge von Bierhoff und Joachim Löw mit dem DFB verlĂ€ngert werden sollten, wurden die GesprĂ€che mit Theo Zwanziger nach einer gescheiterten Verhandlung abgebrochen und bis auf weiteres verschoben. Grund waren die Forderungen von Löw und Bierhoff, auf die Zwanziger nicht eingehen wollte. So habe Bierhoff u. a. ein Vetorecht fĂŒr eine etwaige Neubesetzung des Bundestrainerpostens gefordert.cite-ref-13[13] Am 20. Juli 2010 gab Bierhoff gemeinsam mit Joachim Löw seine VertragsverlĂ€ngerung bis 2012 bekannt. Am 15. MĂ€rz 2011 gab der DFB die VertragsverlĂ€ngerung mit dem Trainerstab um Joachim Löw sowie mit Bierhoff bekannt. Die VertrĂ€ge wurden um weitere zwei Jahre bis zum 31. Juli 2014 ausgeweitet.cite-ref-14[14] 2014 gewann Bierhoff mit der deutschen Nationalmannschaft den Weltmeistertitel. Er sagte einige Monate auf die WM-Elf zurĂŒckblickend, in der Außenwirkung im Ausland sei der sportliche Aspekt nach hinten gerutscht und das Auftreten der deutschen Mannschaft habe im Vordergrund gestanden.cite-ref-15[15]

Im MĂ€rz 2015 wurde Bierhoff neben seiner Arbeit fĂŒr die Nationalmannschaft Projektleiter fĂŒr die geplante DFB-Akademie.cite-ref-16[16]

Im Juni 2015 etablierte Bierhoff den Namen DIE MANNSCHAFT als neuen Marketingslogan fĂŒr die deutsche Nationalmannschaft.cite-ref-faz-17-0[17]cite-ref-eurosport-18-0[18] Der Schriftzug prangt seither groß auf dem Teambus der Nationalelf und ist auf den Kragen der Trikots der Nationalspieler aufgedruckt.cite-ref-spiegel-19-0[19] DIE MANNSCHAFT sollte analog zu Seleção (Spitzname fĂŒr die Brasilianische Nationalmannschaft), Azzurri (Italien) oder l'Ă©quipe (=„Die Mannschaft“ auf Französisch fĂŒr die Französische Nationalmannschaft) als neuer Markenkern fungieren.cite-ref-eurosport-18-1[18]cite-ref-spiegel-19-1[19] Der neue Slogan wurde dabei von manchen als kĂŒnstlich empfunden, obwohl die deutsche Nationalmannschaft im Ausland schon lĂ€nger als „La Mannschaft“, „El Mannschaft“ oder „Mannschaft“ bekannt war und nur im Inland noch nicht entsprechend vermarktet wurde.cite-ref-faz-17-1[17] Insbesondere nach dem frĂŒhzeitigen Ausscheiden der Nationalmannschaft aus der WM 2018 erfuhr der Slogan heftige Kritik und wurde stellvertretend als Symbol fĂŒr „Abgehobenheit“ und „Entfremdung von den Fans“ Bierhoffs und des DFB-PrĂ€sidiums wahrgenommen.cite-ref-20[20]cite-ref-21[21]cite-ref-stn-22-0[22]cite-ref-kicker1-23-0[23] DFB-PrĂ€sident Reinhard Grindel Ă€ußerte daraufhin, er nehme auch wahr, dass an der Basis der Begriff Die Mannschaft als sehr kĂŒnstlich empfunden werde und dachte daher sogar ĂŒber eine Abschaffung des Begriffs nachcite-ref-kicker1-23-1[23]. Zum Titelgewinn 2014 erschien zudem der Film Die Mannschaft.

Vom 1. Januar 2018 bis MĂ€rz 2022 war Bierhoff nach einer Strukturreform einer von vier (bis 31. Dezember 2017: sieben) DFB-Direktoren.cite-ref-welt-24-0[24] Er war zustĂ€ndig fĂŒr den Bereich Nationalmannschaften und Fußballentwicklung (auch als Direktor Nationalmannschaften und Akademie bezeichnet).cite-ref-25[25] In Bierhoffs Verantwortungsbereich fielen das Management und die sportliche Leitung der Nationalmannschaften (Frauen und MĂ€nner) – Oliver Bierhoff war der Vorgesetzte des sportlichen Leiters Joti Chatzialexiou – sowie der DFB-Akademie mit den dazugehörigen Bereichen (Trainer, Ausbildung, Scouting usw.).cite-ref-welt-24-1[24] Der Posten des Sportdirektors, den zuvor Hansi Flick und interimsweise Horst Hrubesch bekleidet hatten, wurde im Rahmen der Strukturreform im Oktober 2017 abgeschafft.cite-ref-26[26]

Im Mai 2018 gab der DFB die vorzeitige VerlĂ€ngerung von Bierhoffs Vertrag bis 2024 bekannt.cite-ref-27[27] Bei der WM 2018 schied die deutsche Nationalmannschaft bereits in der Vorrunde aus und belegte den letzten Platz in Gruppe F.cite-ref-28[28] Danach gerieten auch Bierhoff und Bundestrainer Joachim Löw in die Kritikcite-ref-stn-22-1[22], DFB-PrĂ€sident Grindel und das restliche PrĂ€sidium stĂ€rkten jedoch Bierhoff und Löw den RĂŒcken.cite-ref-29[29] Im Zuge der Aufarbeitung des Ausscheidens bei der WM kam es auch mit ca. 110 Minuten zur lĂ€ngsten Pressekonferenz der DFB-Geschichte, bei der sich Bierhoff und Löw den Fragen der Journalisten stellten.cite-ref-30[30]

Im Zug einer Umstrukturierung des DFB und Ausgliederung in die DFB GmbH & Co. KG wurde Bierhoff 2022 GeschĂ€ftsfĂŒhrer der deutschen Nationalmannschaft (GeschĂ€ftsfĂŒhrer Nationalmannschaften und Akademie der DFB GmbH & Co. KG).cite-ref-31[31] Am 5. Dezember 2022 trennten sich der DFB und Bierhoff durch die vorzeitige Auflösung seines bis 2024 laufenden Vertrages nach dem Ausscheiden der Nationalmannschaft in der Vorrunde der Fußball-Weltmeisterschaft 2022.cite-ref-32[32]cite-ref-33[33] Sein Nachfolger wurde Andreas Rettig.cite-ref-34[34]

Bierhoff ist Kuratoriumsmitglied der Egidius-Braun-Stiftung.cite-ref-35[35]

FunktionÀr bei den New England Patriots

Bierhoff wechselte 2023 vom Fußball zum Football. Seit Oktober 2023 bekleidet er beim NFL-Team New England Patriots die Position des „Business Advisors“ (Berater).cite-ref-36[36] Seine Aufgabe ist es, das Team bei der Ausweitung seiner AktivitĂ€ten in den deutschsprachigen LĂ€ndern zu unterstĂŒtzen.cite-ref-37[37]

Kritik

Im August 2010 machte Oliver Bierhoff durch die Mitunterzeichnung des Energiepolitischen Appells, einer Lobbyinitiative der vier großen Stromkonzerne gegen einen deutschen Ausstieg aus der Atomenergie, auf sich aufmerksam. In die Kritik geriet Bierhoff dabei, weil er die in verschiedenen Tageszeitungen abgedruckte ganzseitige Zeitungsanzeige im Namen seiner Funktion als Manager der Nationalmannschaft unterzeichnet hat. Der DFB distanzierte sich spĂ€ter jedoch von diesem energiepolitischen Appell. Bierhoff habe seine Meinung lediglich unter Angabe seiner Berufsbezeichnung Manager der Fußball-Nationalmannschaft, und nicht im Namen des DFB geĂ€ußert.cite-ref-38[38]

Am 25. MĂ€rz 2011 Ă€ußerte sich Bierhoff in einem Interview der Bild-Zeitungcite-ref-bild-39-0[39] kritisch ĂŒber eine ausgestrahlte Folge der Fernsehserie Tatort, die sich mit der Thematik HomosexualitĂ€t im Fußball auseinandersetzte. In der Sendung fielen unter anderem SĂ€tze wie „Wissen Sie, die halbe Nationalmannschaft ist angeblich schwul, einschließlich Trainerstab. Das ist doch schon so eine Art Volkssport, das zu verbreiten.“cite-ref-bild-39-1[39] Bierhoff wertete die Aussagen in dem Film „als einen Angriff auf [
] die Familie der Nationalelf.“cite-ref-zeit-40-0[40] Ihm wird vorgeworfen, damit indirekt festgestellt zu haben, der Fußball mĂŒsse vor homosexuellen EinflĂŒssen geschĂŒtzt werden.cite-ref-zeit-40-1[40]

Die Deutsche Akademie fĂŒr Fußball Kultur, der Prominente wie der ehemalige bayerische MinisterprĂ€sident GĂŒnther Beckstein angehören, veröffentlichte einen offenen Brief des schwul-lesbischen Fußballnetzwerks Queer Football Fanclubs, dergestalt Bierhoff Homophobie im Fußball ein Gesicht gegeben habe. Die heftige Reaktion Bierhoffs sowie die Nutzung des Begriffs Familie als vermeintlichen Gegensatz zu HomosexualitĂ€t sei entlarvend, hieß es in der ErklĂ€rung.cite-ref-41[41]cite-ref-spiegel-42-0[42] Und Oliver Blaschke urteilte zu diesem Vorgang in der Wochenzeitung Die Zeit: „Solche Ressentiments, verbreitet ĂŒber die grĂ¶ĂŸte deutsche Boulevardzeitung, können fĂŒr ein gesellschaftliches Klima gefĂ€hrlicher sein als brachialer Schwulenhass in der Fankurve.“cite-ref-43[43]

In der Diskussion um die AffĂ€re von İlkay GĂŒndoğan und Mesut Özil um ein Treffen mit dem tĂŒrkischen StaatsprĂ€sidenten Erdoğan im Vorfeld der WM 2018, das in zeitlicher NĂ€he zu den Wahlen in der TĂŒrkei am 26. Juni stattfandcite-ref-faz-44-0[44], wurde Bierhoff „eine fatale Strategie“ der VerdrĂ€ngung und des Aussitzens vorgeworfen. Er habe versĂ€umt, „die beiden Spieler zu einer klaren Stellungnahme in der Öffentlichkeit zu bewegen oder Konsequenzen zu ziehen“.cite-ref-faz-15631540-45-0[45]

Nach dem Ausscheiden der Nationalmannschaft aus der WM 2018 bereits in der Vorrunde, nach der man den letzten Platz in Gruppe F belegt hatte, Ă€ußerte Bierhoff in einem Welt-Interview: „Wir haben Spieler bei der deutschen Nationalmannschaft bislang noch nie zu etwas gezwungen, sondern immer versucht, sie fĂŒr eine Sache zu ĂŒberzeugen. Das ist uns bei Mesut nicht gelungen. Und insofern hĂ€tte man ĂŒberlegen mĂŒssen, ob man sportlich auf ihn verzichtet.“cite-ref-46[46]cite-ref-47[47] Daraufhin wurde Bierhoff vorgeworfen, er stemple Mesut Özil zum „SĂŒndenbock“ fĂŒr das Ausscheiden der Nationalelf ab.cite-ref-48[48]cite-ref-49[49] Özils Leistung wĂ€hrend der WM wurde von einigen Beobachtern und Fußballfans ohnehin kritisch gesehen.cite-ref-50[50]cite-ref-51[51]cite-ref-52[52]cite-ref-53[53] Bierhoff gab bereits am nĂ€chsten Tag ein Interview im ZDF-WM-Studio mit Oliver Welke und Oliver Kahn, in dem er mitteilte, dass er sich falsch verstanden fĂŒhle: Er habe gemeint, wenn man als Team auf Özil verzichtet hĂ€tte, dann nur aus sportlichen GrĂŒnden und nicht wegen des Erdoğan-Fotos. Man habe Özil nominiert und dazu stĂŒnden er und Jogi Löw auch. Die Passage, die missinterpretiert worden sei, sei ihm beim Gegenlesen des Welt-Interviews nicht aufgefallen.cite-ref-zdfwm-54-0[54]cite-ref-55[55] Auch DFB-PrĂ€sident Reinhard Grindel verwies spĂ€ter mehrmals darauf, dass Bierhoff sich missverstanden fĂŒhle.cite-ref-kicker-56-0[56]cite-ref-57[57]

Nach dem Ausscheiden aus der WM 2018 erhielt Bierhoff viel Kritik: So wurde ihm vorgeworfen, er habe mit Watutinki das falsche Quartier fĂŒr die DFB-Elf ausgewĂ€hlt. Das Campo Bahia, das man in Brasilien 2014 wĂ€hrend des Titelgewinns bezog, habe eine ganz andere Ausstrahlung als das schattige, am Wald gelegene Watutinki gehabt.cite-ref-sz-58-0[58] Das sonnige Sotschi am Schwarzen Meer wĂ€re als WM-Quartier besser gewesen. Zumal die Nationalmannschaft wĂ€hrend des Confed Cups 2017 (wo sie den Titel errang) das Quartier in Sotschi bezog und Löw wĂ€hrend der WM, als die Nationalmannschaft gegen Schweden in Sotschi spielte, sich öffentlich in Sotschi prĂ€sentierte, sich entspannt an einen Laternenpfahl lehnte und an der Promenade entlang schlenderte.cite-ref-mopo-59-0[59]cite-ref-60[60] Der Bundestrainer soll mit der Entscheidung sehr unzufrieden gewesen sein.cite-ref-61[61] Bierhoff begrĂŒndete seine Entscheidung fĂŒr Watutinki mit strategischen GrĂŒnden, denn wĂ€re man Gruppenerster geworden, wovon man vor der WM ausging, hĂ€tte man weniger Reisestrapazen gehabt.cite-ref-sz-58-1[58] Außerdem hĂ€tte Sotschi ĂŒber keinen Trainingsplatz verfĂŒgt.cite-ref-mopo-59-1[59]

Außerdem kĂŒndigte Bierhoff eine umfassende Analyse an. Dabei wurde kritisiert, dass Bierhoff und Löw weiterhin fest im Sattel sĂ€ĂŸen und der weitere Weg schon vorgezeichnet sei, auch wenn die Analyse befinden sollte, dass Löw und Bierhoff Teil des Problems seien und eventuell Platz fĂŒr Neues machen sollten.cite-ref-zdfwm-54-1[54]

Zudem gab es vor, wĂ€hrend und nach der WM immer wieder Kritik an Bierhoff bezĂŒglich des Themas FannĂ€he.cite-ref-web-de-62-0[62] Kritisiert wurde etwa, dass wĂ€hrend des Trainingslagers in Eppan (SĂŒdtirol) der Trainingsplatz mit blauen Folien abgeschirmt wurde und die Nationalspieler in Russland mitgereisten Fans kaum Autogramme gaben. Auch Bierhoffs neu entwickelte Marketingstrategien wie der Name DIE MANNSCHAFT fĂŒr die DFB-Elf in Analogie zum Spitznamen l’équipe der Französischen Nationalmannschaft, der Hashtag #ZSMMN (ausgesprochen: „Zusammen“) oder der Slogan vor der WM 2018 „Best Never Rest“ wurden in diesem Zusammenhang kritisiert.cite-ref-web-de-62-1[62]cite-ref-rp-63-0[63]cite-ref-64[64] Der #ZSMMN war dabei gar kein Marketingslogan, sondern sollte nur TĂ€tigkeiten und soziale Projekte des DFB wĂ€hrend der WM 2018 zusammenfassen.cite-ref-zdfwm-54-2[54] Bierhoff wurde von manchen Medien, ehemaligen Fußballspielern und Experten als „abgehoben“ wahrgenommen, der DFB habe den Kontakt zu den Fans verloren.cite-ref-web-de-62-2[62]cite-ref-t-online-65-0[65]cite-ref-ran-66-0[66]cite-ref-rp-63-1[63] Bierhoff habe „Vermarktung um jeden Preis“ betrieben.cite-ref-ran-66-1[66] Im Zuge dessen gab Bierhoff zu, einen Fehler gemacht zu haben, und kĂŒndigte fĂŒr die Zukunft mehr FannĂ€he an: Man habe vor der WM 2006 einen Verhaltenskodex entwickelt, an den man sich in letzter Zeit nicht mehr ganz gehalten habe.cite-ref-t-online-65-1[65] FannĂ€he sei ein „wichtiger Aspekt, den [er] sehr ernst nehme“, sagte Bierhoff. Man werde versuchen, „Nahbarkeit und BodenstĂ€ndigkeit wieder zu intensivieren“. Bierhoff erklĂ€rte weiter: „Wir mĂŒssen wieder NĂ€he aufbauen“.cite-ref-67[67] Es gab allerdings auch Stimmen, die betonten, Bierhoff habe vor der WM vor zu viel SelbstgefĂ€lligkeit gewarnt und dass er die einzige relevante Person aus dem DFB sei, die seit dem WM-Aus öffentlich greifbar war. Bundestrainer Joachim Löw war nach dem Ausscheiden aus der WM etwa wochenlang öffentlich nicht greifbar.cite-ref-68[68] Die neue FannĂ€he war in den Spielen nach der WM deutlich spĂŒrbar.cite-ref-69[69] Bierhoff erklĂ€rte, es sei eine Erkenntnis gewesen, dass der DFB die Begegnung mit den Fans schaffen mĂŒsse.cite-ref-70[70]

Privates

Oliver Bierhoff wuchs in DĂŒren und Essen auf. Sein Großvater Eduard Bierhoff war Oberkreisdirektor im Kreis DĂŒren und sein Vater Rolf Bierhoff Vorstandsmitglied bei der RWE AG. Als Torwart bei der SG DĂŒren 99 war dieser in den 1950er Jahren Mannschaftskollege von Karl-Heinz Schnellinger. Mit dem Wechsel von Bayer Uerdingen zum HSV wurde auch erstmals der Vorstandsposten des Vaters thematisiert. Aufgrund des Status und des Gehalts des Vaters wurde Bierhoff von seinen damaligen Mitspielern gemobbt.cite-ref-71[71]

Bierhoff ging in Essen zur Schule und legte sein Abitur am Humboldt-Gymnasium ab. Seine Karriere als Fußballer begann bei der Essener Sportgemeinschaft 99/06 und dem ETB Schwarz Weiß Essen. Als Heranwachsender gehörte er den Essener Domsingknaben des Essener MĂŒnsters an. Die Fernsehmoderatorin Nicole Bierhoff ist Oliver Bierhoffs Ă€ltere Schwester.

Seit dem 22. Juni 2001 ist Bierhoff mit Klara Szalantzy verheiratet. Das Paar hat zwei Töchter.cite-ref-72[72]

2002 schloss Oliver Bierhoff neben seiner Profilaufbahn ein wirtschaftswissenschaftliches Studium an der FernuniversitĂ€t in Hagen nach 26 Semestern erfolgreich als Diplom-Kaufmann ab. Der Titel seiner Diplomarbeit war Die Bestimmung des Platzierungspreises von Aktien im Vorfeld einer BörsenneueinfĂŒhrung – Eine vergleichende ökonomische Analyse am Beispiel des Börsenganges von Fußballvereinen.cite-ref-73[73]

Bierhoff grĂŒndete im MĂ€rz 2007 gemeinsam mit dem Sportwissenschaftler und ehemaligen Sportartikel-Manager Marc Kosicke die Projekt B GmbH, deren GeschĂ€ftszweck die Vermarktung von Sportlern, insbesondere von Fußballtrainern, ist. Zu den Kunden des Unternehmens gehören neben Bierhoff selbst unter anderem Holger Stanislawski, JĂŒrgen Klopp, Michael Oenning und Bruno Labbadia.cite-ref-74[74]cite-ref-75[75] Am 3. MĂ€rz 2010 verklagte die Kölner Beratungsagentur Sportsfirst, deren GeschĂ€ftsfĂŒhrer der ehemalige Nationaltorwart Toni Schumacher ist, Oliver Bierhoff wegen offener Provisionszahlungen.cite-ref-76[76] Bierhoff ist seit 2003 BĂŒrger der Gemeinde Berg am Starnberger See und trug sich dort am 25. Juli 2013 in das Goldene Buch der Gemeinde ein.cite-ref-77[77]

Erfolge und Titel

Im Verein:


In der Nationalmannschaft:

‱ 2002 Vizeweltmeister

Individuelle Ehrungen/Erfolge:

‱ 1992/93 TorschĂŒtzenkönig der Serie B
‱ 1997/98 TorschĂŒtzenkönig der Serie A
‱ 1997/98 Bronzener Schuh als drittbester TorschĂŒtze Europas

Als Manager der deutschen Fußballnationalmannschaft:

‱ Dritter der Weltmeisterschaft: 2006, 2010
‱ Zweiter der Europameisterschaft: 2008
‱ Sieger des Confed-Cups: 2017, Dritter 2005

Auszeichnungen

‱ Silbernes Lorbeerblatt: 1996. Bei den folgenden Auszeichnungen, insbesondere fĂŒr die Nationalmannschaft 2002, 2006, 2010 und 2014, erhielt Bierhoff eine Sonderausfertigung, die nicht dem Silbernen Lorbeerblatt entspricht. Dieses kann nur einmal verliehen werden.
‱ Einstufung als Weltklasse in der Rangliste des deutschen Fußballs: Winter 1997/98, Sommer 1998

Weblinks

Commons

: Oliver Bierhoff

– Sammlung von Bildern

‱ Oliver Bierhoff in der Datenbank von weltfussball.de
‱ Oliver Bierhoff bei IMDb
‱ Spielerprofil in der Hall of Fame der AC Milan

Einzelnachweise

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cite-note-44. ↑ Statistik bei www.dfb.de
cite-note-55. ↑ Statistik bei www.dfb.de
cite-note-66. ↑ „Er verletzte sich beim "Kirmes-Training"“, spiegel-online vom 14. Juni 2000
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cite-note-99. ↑ „Eitel, aber zielsicher“, spiegel-online vom 19. November 2007
cite-note-1010. ↑ „Bierhoff bleibt die Reizfigur im deutschen Fußball“, welt-online vom 18. November 2008
cite-note-1111. ↑ „Völler geht auf Bierhoff los“,spiegel-online vom 19. November 2007
cite-note-1212. ↑ „Ballack contra Bierhoff“, kicker-online vom 3. Juli 2008
cite-note-1313. ↑ Löw sauer und loyal zu Bierhoff, kicker-online vom 7. Februar 2010
cite-note-1414. ↑ Löw bleibt bis 2014 Bundestrainer (Memento vom 1. August 2012 im Webarchiv archive.today) In: dfb.de, 27. Juni 2012.
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cite-note-mopo-5959. ↑ Simon Braasch: Am Watutinki-Pranger – Bierhoff wehrt sich gegen VorwĂŒrfe! MOPO online, 20. Juni 2018, abgerufen am 25. Oktober 2018.
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cite-note-6767. ↑ Jogi Löw und Oliver Bierhoff fĂŒhren Verhaltenskodex fĂŒr DFB-Stars ein: "Geben eine klare Richtung vor". goal.com, 6. September 2018, abgerufen am 25. Oktober 2018.
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cite-note-7171. ↑ Oliver Bierhoff: Mit durchgedrĂŒcktem Kreuz. In: Die Zeit. 12. Juni 2014, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 11. Juli 2016]).
cite-note-7272. ↑ Sky Sport DE: Oliver Bierhoff - neuer Fokus und Engagement. Vom Fußballstar zum Topmanager | Meine Geschichte. 10. Mai 2024, abgerufen am 12. Mai 2025.
cite-note-7373. ↑ Eintrag auf der Website der FernuniversitĂ€t Hagen
cite-note-7474. ↑ Fußball/Nationalmannschaft: Bierhoff – der Zeugwart; Westdeutsche Zeitung, wz-newsline.de vom 5. Februar 2007
cite-note-7575. ↑ Thorsten Schabelon: Trainerberater Kosicke ist fĂŒr Klopp auch ein Freund. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Funke Mediengruppe, 16. August 2011, abgerufen am 1. Mai 2025.
cite-note-7676. ↑ Rechtsstreit: Klage gegen Oliver Bierhoff
cite-note-7777. ↑ [1]